Konzentrat: Doppel L
Foto: Alexandra Gschiel

Konzentrat: Doppel L von Markus Wilfling

Die Omnipräsenz der aus Kunststoff erzeugten, meist in einem Grauton gehaltenen Stromverteilerkästen im städtischen Raum erzeugen zusätzliche Oberflächen, die vor allem von anonymen Graffiti-KünstlerInnen genutzt werden, um Botschaften, Zeichen, Zeichnungen… an die Öffentlichkeit zu richten. Da jene skulpturalen Objekte über Jahrzehnte an ihren zugeteilten Plätzen verbleiben, entstehen teils sehr eigenwillige und unterschiedliche Verwitterungszustände bzw. Patina.

Aufgrund der Notwendigkeit der Stromversorgung stellt sich den Betreibern nicht die Frage etwaiger ästhetischer Kriterien ihres Erscheinens im öffentlichen Raum, genau so wenig kümmert es die Verursacher dieser „skulpturalen Installationen“, an welchen Orten und mit welcher Umgebung diese in Dialog treten.
Als Bildhauer interessiert mich neben der Arbeit im Atelier und an Ausstellungen in Galerien, Museen und anderen Kunsträumen selbstverständlich der öffentliche Raum, im besonderen jene Attribute, die eng mit unserer Lebensweise verknüpft sind und oft aus technisch-industriellen Strukturen hervorgehen.
Um unseren elektrotechnischen Lebensfluss aufrecht zu erhalten, braucht es vor allem die uneingeschränkte und permanente Verfügbarkeit von Energie, die auf bekannte Weise gewonnen wird. Die Stromverteilerkästen können auch als Knotenpunkte gelesen werden, da unterschiedliche Organisationen auf diese Weise miteinander verbunden sind. Diese Erkenntnis führt zur Intention, eine temporäre Skulptur im öffentlichen Raum zu entwickeln, welche diese Qualitäten eines Objektes nützt.

Als Konzentrat: Doppel L bezeichnet, wurden noch unbenützte, mehr oder weniger frisch aus der Fabrik erhaltene Stromkästen am Grazer Färberplatz zu einer Skulptur zusammengebaut, die den x y z-Achsen des kartesischen Koordinatensystems entsprechend ausgerichtet worden sind.
Die aus verschiedenen und doch ähnlichen Komponenten entstehende Form erinnert so auch an ein Modul des Computerspiels Tetris und erzeugt auf visueller Ebene einen anderen oder zusätzlichen Blick auf jene Industrieobjekte, die sich beinah unsichtbar der öffentlichen Wahrnehmung entziehen.

(Markus Wilfling)

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