memento71

Am 27.August 2015 wurde in einer Pannenbucht der A4 nahe dem burgenländischen Parndorf ein abgestellter Kühl-LKW entdeckt. Im luftdichten Laderaum befanden sich die Leichen von 71 Flüchtlingen, auf grausamste Art und Weise während des Transports erstickt. 70 der Toten konnten identifiziert werden. Es handelte sich um Menschen aus dem Irak und Iran, Syrien und Afghanistan, darunter auch zwei Familien mit ihren Kindern.

Während für die Schlepper illegale Transporte ein dauerhaftes, einträgliches Geschäft ohne allzu großes Risiko bedeuten, setzen sich Flüchtlinge in ihrer Verzweiflung hohen Gefahren aus. Tagtäglich sterben so elendig Menschen beim Versuch, riegen, Fanatismus, Diktatur und anderen Ursachen, die eine permanente Lebensbedrohung in ihrer ursprünglichen Heimat darstellen, zu entkommen. Die meisten dieser Unglücklichen finden, wenn überhaupt, gesichts- und namenlos als blanke Zahlen ihren Eingang in unser Bewusstsein. Sie sind rasch wieder vergessene Statistik.

MEMENTO 71 ist ein Projekt in drei Teilen der Intro-Graz-Spection in Zusammenarbeit mit dem Kunsthaus Graz, das dieser unsichtbaren Opfer gedenkt und daran erinnert, dass alle Menschen Individuen sind, mit Familien und Freunden, für die sie unersetzlich sind.

Einerseits affichierte die Intro-Graz Spection im öffentlichen Raum von Graz Plakate mit den Vornamen der Toten von Parndorf. Andererseits war vom 06.-18.09.2016 eine kleine Ausstellung mit der neuesten Arbeit 71, einer Verarbeitung des durch die Medien gegangenen Bildes des Lastwagens von Parndorf durch den Künstler und Aktivisten Josef Schützenhöfer, im Space05 des Kunsthauses Graz zu sehen.

Am 13.9.2016 fand ein gemeinsamer Erinnerungsakt statt, bei dem die Besucher/innen ihrerseits aufgefordert wurden, ihre Erinnerungen und Gedanken in die Arbeit von Josef Schützenhöfer einzuschreiben und einfließen zu lassen. Auf der Bix-Medienfassade des Kunsthauses liefen gleichzeitig sämtliche Vornamen der Opfer, sodass ein Jahr nach dem tragischen und traurigen Ereignis den Menschen in persönlicher und achtvoller Weise gedacht werden konnte.

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